A. WAS GESCHAH IN CARDRONA FOREST ? (NEW)

Die Geschichte des Fallschirmjägers Bernd Trautmann, der gegen Ende des 2. Weltkrieges  als Kriegsgefangener nach England kam und es dort als Torhüter von Manchester City zu allerhöchsten englischen Fußballehren schaffte, kennt in Deutschland jeder. 

Die Geschichte des Marineinfanteristen Erich Schaedler, der ebenfalls in britische Kriegsgefangenschaft geriet weniger.  Dabei war Erich Schaedler sen. ebenfalls ein recht begabter Fußballspieler und hatte vor dem Krieg bei Borussia Mönchengladbach gespielt.

Beide Soldaten entschieden sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Großbritannien zu bleiben.

Während Bernd Trautmann zunächst für St. Helens Town spielte, blieb Erich Peter Schaedler, so der vollständige Name des ehemaligen Marineinfanteristen in Schottland, heiratete dort eine junge Frau aus der Ortschaft Biggar.

Am 6. August 1949 wurde Sohn Erich Schaedler junior geboren und der Junge würde später ebenso wie sein Vater Fußballspieler werden und so gelangte er nach den Stationen bei den Amateurvereinen Peebles Rovers und Melbourne Thistle zu Stirling Albion, seiner ersten Station als Fußballprofi.

Es dauerte nicht lange und die großen schottischen Profiklubs wurden auf den jungen Schaedler aufmerksam und nach grade mal 18 Spielen für Stirling Albion sicherte sich Hibernians Edinburgh die Dienste des kampfstarken Abwehrspielers. Zwischen 1969 und 1977 kam Schaedler zu über 200 Einsätzen für den Klub von der Easter Road im Stadtteil Leith.

Mehr noch. Der Sohn des ehemaligen POW Schaedler und seiner schottischen Frau aus dem kleinen Ort Peebles, schaffte es bis in die schottische Nationalauswahl und gehörte bei der WM 1974 zum Kader der Schotten  und kam im März 1974 zu seinem einzigen Länderspiel – ausgerechnet gegen Deutschland. Im Frankfurter Waldstadion unterlagen die Schotten durch Tore von Paul Breitner und Jürgen Grabowski und dem Gegentreffer von Kenny Dalglish, der zu dieser Zeit noch bei Celtic spielte, eher er später in Liverpool zu den unumstrittenen Stars zählte mit 2-1 Toren.

Schaedler zählte entsprechend zum 74er WM – Aufgebot der Schotten in Deutschland, kam aber letztlich nicht an den beiden Außenverteidigern Sandy Jardine (Rangers) und Danny McGrain (Celtic) vorbei und zu dieser Zeit verfügte Schottland anders als heute einige Spieler von Weltklasseformat.

In den Jahren 1977 bis 1981 spielte Erich bei Dundee Football Club und kam von 81 bis 85 noch einmal zu einer Rückkehr mit 85 Ligaspielen bei Hibernian, wo er längst Kultstatus hatte, ehe es ihn zu Beginn der Saison 1985/86 noch einmal zum Abschluss seiner Karriere  zu Dumbarton Football Club verschlug und er wiederum Stammspieler war. 

Am 24. Dezember 1985 wird die schottische Fußballgemeinde von einer traurigen Meldung in den News geschockt. Erich Schaedler wird in seinem VW Passat im Cardrona Forest in den Scottish Borders tot aufgefunden. Kopfschuss – und die Ermittlungen der Polizei ergeben,  er habe sich die tödliche Verletzung selber beigebracht. 

Wenige Wochen zuvor war Schaedlers Ehe geschieden worden.

Für Schaedlers Familie und seinen Bruder John ergeben sich bis heute etliche ungeklärte Fragen. 

Was machte Erich Schaedler in dieser abgeschiedenen Gegend, ein Gebiet, indem er nie zuvor gewesen war. Warum war sein VW Passat, der Wagen in dem man ihn mit einem Kopfschuss aufgefunden hatte, sorgfältig mit großen Zweigen versteckt und getarnt. 

Warum war Schaedlers Wohnung klinisch perfekt sauber und aufgeräumt, als seine Familie seine Sachen dort abholen wollten. 

Woher kamen plötzlich die Gerüchte, er wäre verschuldet – oder er hätte Umgang mit den falschen Leuten.

Denn Schaedler war zwar bei den Fans bei Hibernian und in Dundee DER Kultspieler, aber wenn seine Mitspieler nach dem Training noch auf ein Pint ins Pub gingen – dann trainierte Erich Schaedler noch im Kraftraum.

Eine andere Variante streift Tony Higgins, Schaedlers ehemaliger Vereinskollege an : Depressionen und nennt jüngere Beispiele wie die Selbstmorde von Robert Enke oder Gary Speed.

Für die ermittelnden Polizeibehörden ist der Fall abgeschlossen. 

Für John Schaedler, dessen Bruder Erich von seinen Freunden Shades genannt wurde, bleibt der Fall im Schatten.

Und für mich persönlich ist es der Name eines Fußballspielers, an den ich gerne noch einmal erinnern möchte.